Emil von Behring
Professor Dr. med. Emil von Behring, geboren am 15. März 1854 im westpreußischen Hansdorf (heute Ławice, Ortsteil von Iława in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren), war ein Arzt, Immunologe und Serologe. Der erste Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin gründete in Marburg eines der bedeutendsten pharmazeutischen Unternehmen Deutschlands. – Emil Behrings Vater und seine beiden Großväter waren Lehrer. Der Vater August Georg Behring hatte aus erster Ehe vier Kinder. Emil war das erste von weiteren neun Kindern, die von der zweiten Ehefrau Augustine Zech zur Welt gebracht wurden. Emil besuchte, unterstützt durch ein staatliches Stipendium, das humanistische Gymnasium im ostpreußischen Hohenstein (heute Olsztynek) und wurde im Oktober 1874 von der Berliner Pépinière aufgenommen. An dieser militärärztlichen Akademie war gegen militärische Verpflichtungen ein kostenloses Medizinstudium möglich. Mit einer „Neuere Beobachtungen über die Neurotomia opticociliaris“ überschriebenen Dissertation wurde er 1878 an der Berliner Universität promoviert. Nach seiner Approbation 1880 kam er an mehreren Standorten in der Provinz Posen als Truppenarzt zum Einsatz. Hier immer wieder mit Infektionskrankheiten konfrontiert, wandte er sich der Bakteriologie zu. Seit 1889 am Institut für Infektionskrankheiten unter Robert Koch angestellt, entwickelte er im Jahr darauf mit Shibasaburo Kitasato und Erich Wernicke Heilseren gegen die Diphtherie und den Wundstarrkrampf. 1891 wurde das Diphtherieserum erstmals eingesetzt, wegen zu geringer Dosierung zunächst erfolglos. Nachdem die Wirksamkeit des Serums mit Unterstützung von Paul Ehrlich verbessert worden war, kooperierte Behring mit dem Chemiker August Laubenheimer von den Farbwerken Hoechst in Frankfurt. 1894 wurden die ersten 75000 Serumfläschchen produziert. Parallel etablierte sich Behring an der Universität. Nachdem er trotz fehlender Habilitation in Halle 1893 zum Titularprofessor und 1894 zum außerordentlichen Professor für Hygiene und Leiter des Hygienischen Instituts ernannt worden war, übernahm er 1895 als ordentlicher Professor die Leitung des Hygienischen Instituts an der Universität Marburg. Unter anderem ein ihm aus Frankreich zur Verfügung gestelltes Preisgeld ermöglichte ihm 1895 die Einrichtung eines privaten Laboratoriums. Seine Forschungen zur Bekämpfung der Diphtherie setzte er fort. So entwickelte er nicht nur die Serumtherapie weiter, sondern mit Wernicke auch eine vorbeugende Schutzimpfung. Weitere Forschungen erbrachten zwar neue Erkenntnisse, führten aber nicht zu schnellen Erfolgen. Dies gilt insbesondere für die Bemühungen um Heilmittel gegen die Tuberkulose. 1901 wurde Behring nobilitiert und erhielt den Nobelpreis, 1903 ernannte ihn der Kaiser zum Wirklichen Geheimen Rat. In der Folgezeit wurde Behring immer mehr zum Unternehmer. 1904 gründete er mit dem Marburger Apotheker Carl Siebert die Behringwerke oHG, die rasch expandierte und 1914 in der Behringwerke Bremen und Marburg GmbH aufging. Während des Ersten Weltkriegs wurde hier die Produktion von Heilseren massiv ausgeweitet. Behring hatte eine instabile Persönlichkeit, übervorteilte Kollegen wie Paul Ehrlich und litt an schweren depressiven Phasen, die zeitweise im Münchener Sanatorium Neuwittelsbach behandelt wurden. 1916 zog er sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Am 31. März 1917 starb er in Marburg an einer Lungenentzündung. Seiner Frau Else Spinola, Tochter des Verwaltungsdirektors der Charité, mit der er seit 1896 verheiratet war, und seinen sechs Söhnen hinterließ er ein erhebliches Vermögen. Er besaß eine Villa auf Capri und war der größte Grundbesitzer in Marburg. Die Behringwerke expandierten weiter und gingen später in der IG Farben beziehungsweise der Hoechst AG auf. In Marburg befindet sich noch heute das Behring-Mausoleum auf der nach seiner Frau benannten Elsenhöhe. Behrings Nachlass und Bücherbestand bewahrt die Emil-von-Behring-Bibliothek/Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin an der Philipps-Universität Marburg auf. 2023 erschien aus der Feder der Historikerin Ulrike Enke eine umfassende Behring-Biographie im Wallstein-Verlag.