Paul Ehrlich
Professor Dr. med. Paul Ehrlich, geboren am 14. März 1854 im niederschlesischen Strehlen (heute Strzelin), war einer der Begründer der Experimentellen Medizin, der modernen Chemotherapie und der Immunologie. Er ermöglichte neue Behandlungsmethoden in den Bereichen Blutkrankheiten, Syphilis und Diphterie. Der Nobelpreisträger trieb naturwissenschaftlich basierte Präzisierungen und Standardisierungen voran, vor allem bezüglich des Blutserums. – Paul Ehrlich war der Sohn des Destillateurs, Likörfabrikanten, Lotterieeinnehmers und Vorstehers der jüdischen Gemeinde Strehlen Ismar Ehrlich und dessen Frau Rosa, der Tochter eines Tuchmachers und Bierbrauers. Er bestand zum Abschluss einer als belastend empfundenen Gymnasialzeit am Breslauer Maria-Magdalenen-Gymnasium 1872 das Abitur und nahm noch im selben Jahr in Breslau das Studium der Medizin auf, das ihn später nach Straßburg, Freiburg und Leipzig führte. In seiner ersten Publikation beschrieb er 1877 die granulierten Mastzellen. Im Jahr darauf wurde er in Leipzig bei Julius Cohnheim mit „Beiträgen zur Theorie und Praxis der histologischen Färbung“ promoviert. Noch 1878 wechselte er zu Theodor Frerichs nach Berlin an die Charité, wo er 1882 als Oberarzt zum Professor ernannt wurde. Mit dem 1885 Frerichs nachgefolgten Klinikdirektor Carl Gerhardt harmonierte Ehrlich nicht, so dass er die Charité verließ. Dieser Schritt wurde ihm durch das Vermögen erleichtert, das 1883 seine Frau Hedwig Pinkus, Tochter eines schlesischen Textilfabrikanten, in die Ehe eingebracht hatte. 1884 und 1886 kamen die Töchter Stefanie und Marianne zur Welt. Nach dem Auskurieren einer Lungentuberkulose in Ägypten baute Ehrlich 1898 in Berlin eine private Praxis mit Labor auf. Robert Koch wusste um Ehrlichs Fähigkeiten. Er stellte ihn 1891 am Institut für Infektionskrankheiten an, nachdem ihn die Medizinische Fakultät der Berliner Universität schon im Jahr zuvor zum außerordentlichen Professor ernannt hatte. Seine Forschungen zu Fragen der Immunität führten ihn 1896 an die Spitze des neu gegründeten Instituts für Serumforschung und Serumprüfung in Berlin-Steglitz, das 1899 als Institut für experimentelle Therapie nach Frankfurt am Main zog. Noch in Steglitz entwickelte Ehrlich 1897 die immunologische Seitenkettentheorie über die Antikörperbildung. In Frankfurt entfaltete sich Ehrlichs Ruhm: Er wurde 1904 ordentlicher Honorarprofessor in Göttingen, konnte nach einer Privatspende 1906 dem Frankfurter Institut das Georg-Speyer-Haus für Chemotherapie angliedern, erhielt 1907 neben der DGIM-Ehrenmitgliedschaft den Titel Geheimer Obermedizinalrat und war seit 1908 Nobelpreisträger. Bald darauf entwickelte er mit Hata Sahachirō im Speyer-Haus das Salvarsan, ein chemotherapeutisches Medikament zur Bekämpfung der Syphilis, dessen heilende Wirkung jedoch hinter den Erwartungen zurückblieb. Gleichwohl äußerten sich Ehrlich und Sahachirō auf dem Wiesbadener DGIM-Kongress von 1910 zuversichtlich über die künftige Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Als 1914 die Universität Frankfurt gegründet wurde, erhielt der an Lehre wenig interessierte Ehrlich eine Professur für Pharmakologie. Im Jahr darauf erlitt Ehrlich einen Herzinfarkt, an dem er nach drei Tagen am 20. August 1915 starb. Sein Grab auf dem Alten Jüdischen Friedhof Frankfurt ist erhalten. Ehrlich war seiner Religion treu geblieben, obwohl ihm bei einer Konversion zum Christentum die Nobilitierung sicher gewesen wäre. Seit 1947 trägt das heute in Langen angesiedelte Institut für experimentelle Therapie den Namen „Paul-Ehrlich-Institut“. Seit 1952 wird der heute unter anderem vom Bundesgesundheitsministerium finanzierte Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis an Ehrlichs Geburtstag vergeben. Von 1990 bis 2001 zierte sein Konterfei die 200-DM-Banknote.