Christian Bäumler
Professor Dr. Christian Bäumler, geboren am 13. Mai 1836 im oberfränkischen (Mainleus-)Buchau, prägte über drei Jahrzehnte als Direktor die Medizinische Klinik der Universität Freiburg. – Der aus Nürnberg stammende Vater Sigmund Bäumler hatte in dem um die 300 Einwohner zählenden Kirchdorf Buchau die Pfarrersstelle inne, wurde aber 1837 nach Bernau und 1840 auf die Stelle des Dekans in Thurnau versetzt. Alle diese Orte liegen im heutigen Landkreis Kulmbach. Sigmund Bäumler hatte 1835 Elisabeth Maria Helferich geheiratet, Schwester des späteren Direktors an der landwirtschaftlichen Schule in Weihenstephan Karl Helferich und des späteren Professors für Nationalökonomie Hans Helferich. Christian Bäumler war der Erstgeborene in der rasch wachsenden Pfarrersfamilie. Nach dem Besuch der Volksschule und Unterricht durch Privatlehrer kam er 1848 an das Nürnberger Melanchthon-Gymnasium. In seinen Lebenserinnerungen schildert Bäumler, wie er als Junge die in seiner Region vergleichsweise harmlosen revolutionären Unruhen jener Zeit mitbekam. 1854 schloss er mit dem Absolutorium die Gymnasialzeit ab, um sich noch im selben Jahr in Erlangen für das Studium der Medizin einzuschreiben und in die Burschenschaft Markomannia einzutreten. Zum dritten Semester wechselte Bäumler nach Tübingen, kehrte aber zum ersten Examen 1858 wieder nach Erlangen zurück. Es folgten Studienaufenthalte in Berlin, Prag und Wien. Das Studium beendete er 1860 in Erlangen mit seiner bei Adolf Kußmaul entstandenen Dissertation „Beobachtungen und Geschichtliches über die Wirkung der Zwischenrippenmuskeln“. Von Kußmaul nahm er das Angebot einer Assistentenstelle an der Erlanger Universitätspoliklinik an und ließ sich gleichzeitig als praktischer Arzt nieder. Er befasste sich in jener Zeit vornehmlich mit Tuberkulose und Quecksilbervergiftungen. Nach Forschungsaufenthalten in Straßburg und Paris reiste Bäumler zur Weltausstellung 1862 nach London. Im Oktober 1863 verließ er Erlangen, wo er zuvor nochmals mehrere Monate tätig gewesen war, und übernahm die Hausarztstelle am Deutschen Hospital in London. Er absolvierte das englische Examen und wurde 1867 Junior Assistant Physician am Victoria Park Hospital for diseases of the Chest. Zugleich führte er eine Privatpraxis und widmete sich wissenschaftlich hohen Fiebern (Hyperpyrexie). 1870 übersetzte er die Vorträge von Felix von Niemeyer über die „Lungenschwindsucht“ und publizierte sie als „Clinical lectures on pulmonary consumption“. Erst im Herbst 1869 reiste Bäumler wieder zur Familie nach Deutschland, zudem zur Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Innsbruck. Auch der Deutsch-Französische Krieg 1870/71, in dem er freiwillig u.a. in deutschen Lazarettzügen tätig war, unterbrach seinen London-Aufenthalt. Ende 1872 kehrte er nach Erlangen zurück, um dort auf Bitten von Hugo von Ziemssen ein Extraordinariat für klinische Propädeutik und Pharmakologie zu übernehmen. Obwohl Bäumler dort rasch zum Ordinarius ernannt wurde, nahm er 1874 einen Ruf als Direktor der Medizinischen Poliklinik und Professor der Arzneimittellehre nach Freiburg an. 1876 übernahm er in der Nachfolge des nach Straßburg berufenen Kußmaul die Medizinische Klinik. Mit Unterstützung der Stadt setzte Bäumler, fortan über 25 Jahre lang Freiburger Stadtverordneter, den Bau der Kanalisation und andere Sanitär- und Hygienemaßnahmen durch. Rasch sank die Zahl der Typhusfälle von jährlich mehreren Hundert auf nahe Null. 1896 stand Bäumler dem 14. Kongress der DGIM in Wiesbaden vor, auf dem er wie auch Ernst von Leyden die Fortschritte bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten würdigte. Seit 1893 Mitglied der Leopoldina und mit dem Titel Wirklicher Geheimer Rat geehrt wurde Bäumler 1909 emeritiert sowie Ehrenbürger der Stadt Freiburg. Während des gesamten Ersten Weltkriegs war er in Lazaretten tätig. 1926 wurde sein 90. Geburtstag von der Freiburger Medizinischen Fakultät feierlich begangen, 1930 erhielt er zum 70-jährigen Doktorjubiläum von der Erlanger Medizinischen Fakultät eine Medaille mit Porträt. Seit 1882 war Bäumler mit der Berliner Buchhändlertochter Marie Reimer verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Er starb am 21. November 1933 in Freiburg.