Roderich Stintzing
Professor Dr. Roderich Stintzing, geboren am 12. Februar 1854 in Heidelberg, war ein auf die Erforschung von Muskeln und Nerven spezialisierter Internist, der fast zweieinhalb Jahrzehnte die Innere Medizin an der Universität Jena prägte. – Roderich Stintzing war der Sohn des gleichnamigen Rechtsprofessors (1825–1883) und dessen Ehefrau Franziska Bokelmann (1828–1908). Die ersten Lebensjahre verbrachte er in Heidelberg und Basel, bevor er mit der Familie nach Erlangen zog. Dort besuchte er zunächst eine Privatschule, dann fünfeinhalb Jahre die Königlich Bayerische Studienanstalt. 1870 zog die Familie nach Bonn, wo Stintzing die restliche Gymnasialzeit verbrachte und 1873 die Hochschulreife erlangte. Noch im selben Jahr nahm er in Bonn das Studium der Medizin auf, unterbrochen von Militärzeit und jeweils einem Studiensemester in Leipzig und Tübingen. 1878 wurde er in Bonn bei Eduard Pflüger, dessen Assistent er war, mit der Dissertation „Untersuchungen über die Mechanik der physiologischen Kohlensäurebildung“ promoviert. 1880 wechselte er zu Hugo von Ziemssen an die Medizinische Klinik München, wo er sich 1883 habilitierte. 1890 wurde er als außerordentlicher Professor zum Direktor der Medizinischen Poliklinik Jena berufen, 1892 als ordentlicher Professor für Pathologie und Therapie zum Direktor der Medizinischen Klinik und Leiter des Laboratoriums für experimentelle Pathologie. 1901/02 amtierte er als Rektor der Universität Jena. Als Musikfreund setzte er sich erfolgreich für die Jenaer Ehrenpromotion für Max Reger ein. 1924 wurde er emeritiert. Ein Forschungsschwerpunkt Stintzings lag auf Nerven und Muskeln, deren elektrische Erregbarkeit er in den nach ihm benannten Stintzing-Tabellen systematisch erfasste. 1894 war er mit seinem Freund Franz Penzoldt Herausgeber des zunächst in sechs Bänden über drei Jahre hinweg erschienenen „Handbuchs der Therapie innerer Krankheiten“, das vier Neuauflagen erfuhr. Zu seinen etwa 80 Schülern zählten Max Matthes und Ferdinand Gumprecht, beide zeitweise Medizinprofessoren in Jena. 1911/12 amtierte Stintzing als Vorsitzender der DGIM. Der von ihm geleitete 29. Kongress war der erste, der von einem Pressebüro der DGIM professionell begleitet wurde und nach Stintzings Ansicht „mit gutem Erfolg“ eine stärkere Berücksichtigung in der Berichterstattung der Zeitungen fand. Seit dem 5. Oktober 1884 war Stintzing mit Hanna Rühle (1861–1897) verheiratet, Tochter des zuletzt in Bonn lehrenden Medizinprofessors Hugo Rühle. Das Paar hatte mindestens fünf Kinder, darunter der Physiker Hugo Stintzing (1888–1970), die Pfarrerin Franziska Stintzing (1889–1970) und die mit dem Internisten Kurt Gutzeit verheiratete Krankenschwester Erna Stintzing (1889–1970). Sieben Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Roderich Stintzing Gertrud Keferstein, Tochter eines promovierten Geisteswissenschaftlers. Diese Ehe blieb kinderlos. Am 5. April 1933 starb Stintzing in Jena.