DGIM Ehrenmitglied 1924

Franz Penzoldt

Professor Dr. Dr. h.c. Franz Penzoldt, geboren am 12. Dezember 1849 im heute zum thüringischen Schleiz gehörenden Crispendorf, war ein Internist und Pharmakologe, der fünf Jahrzehnte lang die Medizin in Erlangen prägte. – Franz Penzoldts gleichnamiger Vater war Pfarrer in Crispendorf und bald in Weimar. Der an einer Bleivergiftung leidende Vater, verheiratet mit Anna Barkmann, unterrichtete den Sohn, so dass dieser im Alter von 8 Jahren in die Quinta des humanistischen Gymnasiums wechseln konnte und 1866 im Alter von 16 Jahren die Hochschulreife erlangte. Er studierte in Jena und Tübingen Naturwissenschaften und Medizin. Dabei lernte er als akademischen Lehrer den Zoologen Ernst Haeckel, den Anatomen Carl Gegenbaur und die Internisten Carl Gerhardt, seinen Doktorvater, und Felix von Niemeyer kennen. 1872 schloss er mit Staatsexamen, Approbation und Promotion („Ueber den haemorrhagischen Infarct der Lunge bei Herzkranken“) sein Studium ab. Nach dem Militärdienst wurde er 1873 Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik Jena unter Wilhelm Leube. Mit ihm ging er 1874 nach Erlangen, wo er sich 1875 habilitierte. 1878 wurde Penzoldt Oberarzt des Ambulatoriums der Medizinischen Klinik und 1882 zum außerordentlichen Professor für Klinische Propädeutik ernannt. 1885 folgte er Leube in der Leitung der Medizinischen Klinik und Poliklinik. Gleichzeitig wurde er zum ordentlichen Professor für Pharmakologie, 1893 zum Direktor des neu errichteten pharmakologisch-poliklinischen Instituts ernannt. Letzterem stand er bis 1910 vor. 1903 war er als ordentlicher Professor für Medizinische Poliklinik und Innere Medizin Direktor der Medizinischen Universitätsklinik geworden. An der Universität bekleidete er 1900/01 das Amt des Prorektors. Während des Ersten Weltkriegs stand er als Generalarzt den Erlanger Lazaretten vor. 1920 wurde er emeritiert. Seine Forschungen konzentrierten sich auf die Tuberkulose, an welcher der häufig an Migräne leidende 2-Meter-Mann selbst erkrankt war, auf Leukämien, hämorrhagische Diathesen, Diabetes, Nierenerkrankungen und Verdauungsvorgänge. 1894 war er mit seinem Freund Roderich Stintzing Herausgeber des zunächst in sechs Bänden über drei Jahre hinweg erschienenen „Handbuchs der Therapie innerer Krankheiten“, das vier Neuauflagen erfuhr. 1913 stand Penzoldt dem 30. Kongress der DGIM in Wiesbaden vor. Nicht zuletzt aufgrund seiner Autorität als Pharmakologe warb er nach der Gründung der Arzneimittelkommission, deren Vorsitzender er mehrere Jahre war, für eine weitere Reglementierung des Arzneimittelmarktes. Skeptisch betrachtete er das Publizieren einzelner „Beobachtungen und Versuche“, plädierte vielmehr für „größere Zusammenfassungen“. Seit 1885 war Penzoldt mit Valerie Beckh (1867–1946), der Tochter eines Gutsbesitzers, verheiratet. Das Paar hatte vier Söhne, darunter den später auch unter dem Künstlernamen „Fritz Fliege“ bekannten jüngsten Sohn Ernst (1892–1955). Die anderen Söhne wurden Ärzte, darunter Fritz (1887–1959), der mit der Sängerin Sigrid Onegin (1889–1943) verheiratet war. Deren Sohn Peter Penzoldt (1925–1969) erlangte als Schriftsteller eine gewisse Bekanntheit. In der von Louis Grote herausgegebenen Reihe „Die Medizin der Gegenwart in Selbstdarstellungen“ erzählt Penzoldt auf 15 Seiten sein Leben. Dort beklagt er die „Schwere der Zeit“ und hofft auf „das Wiedererstehen unseres geliebten Vaterlandes“, das er in der Demokratie der Weimarer Republik offenbar nicht zu erkennen vermochte. Seit 1919 Ehrenbürger der Stadt Erlangen, starb Penzoldt am 19. September 1927 in München. Im Todesjahr erhielt der 1919 auch mit einem Ehrendoktortitel und einer Büste Ausgezeichnete den Titel eines bayerischen Geheimen Rates. Die Grabstätte auf dem Münchener Waldfriedhof ist erhalten. Seit 2005 trägt die zentrale Einrichtung für tierschutzgerechte Haltung von Versuchstieren an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg den Namen Franz-Penzoldt-Zentrum.