Nachruf der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin auf Professor Dr. med. Peter C. Scriba

Ein Leben für die Innere Medizin

Porträt Professor Peter C. Scriba
© Privat

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) trauert um Professor Dr. med. Dr. h.c. Peter Christian Scriba, der am 4. April 2026 im Alter von 91 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die Innere Medizin, ja die gesamte Medizin in Deutschland eine herausragende Persönlichkeit, die das Fach über Jahrzehnte hinweg wissenschaftlich, klinisch und gesundheitspolitisch geprägt hat.

Nach dem Abitur 1954 an der Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg, studierte Peter C. Scriba Medizin in Freiburg und promovierte 1959 bei dem Biochemiker Helmut Holzer. Danach führte ihn ein Forschungsaufenthalt an die Harvard Medical School in Boston – eine prägende Station, die seine wissenschaftliche Laufbahn nachhaltig beeinflusste. Nach dieser Postdoktorandenzeit ging Scriba für seine klinische Weiterbildung zum Internisten an seine spätere Hauptwirkungsstätte dem Innenstadtklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, wo er sich 1967 habilitierte. 1980 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Innere Medizin verbunden mit der Leitung der Klinik für Innere Medizin der Medizinischen Universität zu Lübeck und war Rektor der Universität von 1987 bis 1989. 1990 wechselte er zurück an die LMU, wo er bis 1999 als Ärztlicher Direktor des Klinikums Innenstadt wirkte. In dieser Zeit setzte er sich unermüdlich für den Standort und die klinische Versorgung der Bayrischen Landeshauptstadt ein.

Das wissenschaftliche Werk von Peter C. Scriba umfasst mehr als 800 Publikationen, insbesondere im Bereich der Endokrinologie, der Entwicklung von Bestimmungsmethoden für Hormone und die Erforschung hormoneller Wirkungsmechanismen. Die Habilitationsschrift beschreibt „Klinische und experimentelle Untersuchungen über Dynamik und Wirkungsweise des Adrenocorticotropins“. Die weitere Forschung ist systemisch, interdisziplinär, Fächer übergreifend, wie das Fach Endokrinologie an sich. Frühzeitig und energisch setzte er sich für die Prävention, insbesondere die Prävention von Jodmangelerkrankungen durch jodiertes Kochsalz ein.

Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie sowie in zahlreichen weiteren Funktionen in wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Gremien setzte er wichtige Impulse. Als Vorsitzender des Medizinausschusses im Wissenschaftsrats setzte er sich nach der Wende für die ostdeutschen Universitätsklinika ein. Er war Vorsitzender des Gesundheitsforschungsrates des Bundes sowie langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer. Sein Wirken war stets getragen von der Überzeugung, dass medizinischer Fortschritt nur im Zusammenspiel von Wissenschaft, klinischer Erfahrung und gesellschaftlicher Verantwortung gelingen kann. Es war ihm ein wesentliches Anliegen, dass medizinische Erkenntnisse rasch aber angemessen in der Patientenversorgung umgesetzt werden.

Professor Scriba war der DGIM in besonderer Weise verbunden: Seit 1964 Mitglied der Fachgesellschaft, war er über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg ihr engagierter Begleiter und Impulsgeber. Er stand der DGIM 1994/1995 als Vorsitzender vor, war 1995 Kongresspräsident und seit 2001 ihr Ehrenmitglied. Er gehörte der Schriftleitung der Deutschen Medizinischen Wochenschrift und der Zeitschrift „Der Internist“ (heute „Die Innere Medizin“) an. Für seine Verdienste wurde er 2008 mit der Gustav-von-Bergmann (heute Leopold-Lichtwitz) -Medaille ausgezeichnet – eine der höchsten Ehrungen der Gesellschaft. Mit der Verleihung würdigte die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin sein wissenschaftliches, aber auch politisches Engagement. 

Ein besonderes Anliegen war Peter C. Scriba die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, und er sah es auch als wichtige Aufgabe der DGIM an, sich um den Nachwuchs in der Inneren Medizin zu kümmern. Mit dem nach ihm benannten Peter-Scriba-Promotionsstipendium hat die DGIM hierfür ein nachhaltiges Zeichen gesetzt. Bis heute ermöglicht es Medizinstudentinnen und -studenten, sich wissenschaftlich zu engagieren und anspruchsvolle, arbeitsintensive und hochwertige Promotionsarbeiten durch ein Forschungsfreisemester oder einen Forschungsaufenthalt im Ausland zu realisieren.

Neben all seinen fachlichen und wissenschaftlichen Leistungen wird Professor Scriba vor allem als Arzt und Mensch in Erinnerung bleiben. Er verband hohe medizinische Expertise mit großer Zugewandtheit zu seinen Patientinnen und Patienten. Sein ärztliches Selbstverständnis brachte er gerne mit dem Zitat auf den Punkt: „Ein guter Arzt muss nicht nur die Krankheit, sondern auch den Menschen behandeln.“ So wurde er zum Mentor und Wegbereiter für eine Schule von Medizinerinnen und Medizinern, die heute in der Universitätsmedizin, an Forschungsinstitutionen und Hochschulen tätig sind.

Die DGIM verliert mit Peter Christian Scriba einen klugen Berater und einen engagierten Förderer der Inneren Medizin. Für viele von uns war er Vorbild und Freund. Sein Wirken wird weit über seinen Tod hinaus fortbestehen.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

Für die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin

Dagmar Führer-Sakel, Vorsitzende                          Georg Ertl, Generalsekretär